Ohnezahn zur Fashion Revolution Week 2017

Manchmal ergeben sich ganz großartige Sachen – Tauschgeschäfte sozusagen! Auch diese Art von Tauschgeschäften sind eine

#HAULTERNATIVE

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Aber lest selbst:

Ich war mit dem kleinen Fräulein Thurnmühle auf einem Stoff-Flohmarkt, den Claudia organisiert hatte. Tagelange habe ich tapfer Stoffe aussortiert, die weg können – da kam jede Menge zusammen. Das kleine Fräulein war total rigoros in ihrer Auswahl – alles was ihren Geschmack nicht mehr traf, durfte weg – das war mittlerweile viel. Bei einigen Stoffen hat mir richtig, richtig das Herz geblutet! Aber was vorbei ist, ist vorbei. Nun freuen sich andere Menschen über die schönen Stoffe!

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Am Stoff-Flohmarkt habe ich Sabine von SaBiene kennengelernt, die auf der Suche nach Stoffen für ihre Mädels war. Wir kamen so ins plaudern und plötzlich hat sie mich gefragt, ob ich nicht auch Kleider nach Kundenauftrag nähe. Ich habe ihr erklärt, dass ich ausschließlich für meine Tochter und Familie nähe, außerdem auch aufgrund eines fehlenden Gewerbescheines so etwas gar nicht dürfe.

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Sie hat gemeint, ob ich nicht ein Stofftiere brauche, sie würde sehr schöne Stofftiere entwerfen und nähen. Ein Tauschgeschäft sozusagen! Zunächst habe ich dankend abgelehnt, obwohl mir die Idee an sich gut gefallen hat. Ich nähe sehr gerne Kinderbekleidung – Stofftiere nähe ich weniger gerne. Aber angesichts der gefühlten 200 Stofftiere im Bett meiner Tochter … nein, dann doch eher nicht! Dann kam der entscheidende Satz: „Ich kann auch Drachen nähen, einen Ohnezahn zum Beispiel!“

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UPS – was war das? Ein Ohnezahn? Erst wenige Tage zuvor lag mir das kleine Fräulein in den Ohren wegen einem Ohnezahn-Stofftier! Ich habe im Netz eine Anleitung gefunden – super schön! Aber mörderaufwendig! Mir liegt noch das letzte Stofftier (Pegasus) im Magen – also so schnell kein Stofftier mehr von mir! Aber ein Ohnezahn …. Sabine hat gleich das Zögern bemerkt und eingehakt … ihre Drachen würden wundervoll aussehen … das kleine Fräulein kam dazu, hörte Ohnezahn – da hatte ich dann keine Chance mehr …

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Also haben wie einen Deal geschlossen: 2 Kleider aus den vom Flohmarkt erstandenen und beigestellten Stoffen gegen einen großartigen Ohnezahn … So trennten wir uns dann, ich mit den Stoffen im Sackerl, Sabine mit den Wünschen des kleinen Fräuleins, wie der Drache bitte aussehen soll.

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3 Wochen später war es soweit, die Tauschsachen machten sich auf den Weg. Wenn sich die Mädels von Sabine nur halb so über die Kleider gefreut haben, wie meine Tochter über den Ohnezahn … dann ist alles in Ordnung! Sie war begeistert! So richtig und wahrhaftig!

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Mit dieser Geschichte möchte auch ich Wege aufzeigen, dass es manchmal auch ungewöhnliche Wege gibt, um individuelle Kleidung fern des Modehamsterrades zu bekommen.

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Das ist mein kleiner Beitrag zur Fashion Revolution Week 2017 – danke Susanne! Ich persönlich habe durchaus meinen Blickwinkel und in mancher Hinsicht mein Kaufverhalten durch deine Aktionen verändert. In kleinen Schritten, aber doch!

Schönen Sonntagabend!

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verwendete Schnittmuster:
Ki-Ba-Doo Wickelkleid in der Fakevariante
Kiara von Farbenmix

und der Ohnezahn ist von SaBiene

Fashion Revolution Day!

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Heute ein eher ungewöhnliches Bild: ich hinter der Nähmaschine.

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Susanne von Mamimade hat uns Näherinnen aufgerufen zum heutigen FASHION RESVOLUTION DAY  ein Bild von uns hinter der Nähmaschine zu machen. Und kurz zu erzählen, warum wir nähen.

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Kurz umrissen: Nähen ist mein Yoga – ich nähe zur Entspannung. Und um einen gewissen Teil Kreativität in etwas produktives umzuwandeln. Ich nähe, weil ich individuelle Kleidung mag – besonders für meine Tochter. Dann weiß ich auch, dass für diese Kleidung keine Näherin leiden musste.

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Heute vor 3 Jahren geschah das furchtbare Unglück – in Rana Plaza / Bangladesh.

„Am 24. April 2013 stürzte ein Gebäude ein. Es war nicht irgendein Gebäude. Es war kurz zuvor um 3 Stockwerke erweitert worden. Statische Kontrolle oder Genehmigung gab es keine. In Rana Plaza befanden sich eine Bank, ein paar Läden und eine Nähfabrik. Am 23. April, am Tag vor dem Unglück, waren Risse in den Mauern des Gebäudes aufgetaucht,
Das Gebäude war evakuiert worden.
Am nächsten Morgen hielten die Bank und die anderen Läden geschlossen. Zu unsicher. Der Inhaber der Nähfabrik hatte Druck. Wer für die großen Modeketten produziert, produziert auf Termin. Es musste genäht werden. Als wurden die Arbeiterinnen gezwungen in das Gebäude zu gehen. Es wurde ihnen angedroht, dass sie ihren Job verlieren würden. Jobs, mit denen sie ihre Familien erhielten oder unterstützten. Bangladesh ist bettelarm.

Mit einem extrem unguten Gefühl gingen die Frauen in die Fabrik. Kaum waren sie drin, fiel der Strom aus und einige Sekunden danach brach das Gebäude in sich zusammen.

1127 Personen starben.
2438 Personen wurden verletzt.
Unzählig verloren Beine und/oder Arme.

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Seither gedenkt die Welt jedes Jahr am 24. April diesem furchtbaren Ereignis, dem Fashion Revolution Day. Frauen, die genäht haben, starben, weil ein Liefertermin mehr wert war/ist, als ein Menschenleben. Weil die Produktion eines Kleidungsstück keine Bedeutung für diese Welt hat. Welche Arbeit dahinter steckt, das wissen die Menschen nicht mehr. Und was man nicht kennt, kann man nicht schätzen.“ (Text Susanne Hartig von Mamimade).

Habt einen feinen Sonntag!

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LG Claudia

Fotos: Judith Karner – vielen Dank. Die Bilder sind im Zuge eines Taschenworkshops mit Ruth Pirer (Rootlee) entstanden.